Livio ∩ (-2018)

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Livio, Shetlandpony, Stockmass 93cm

Der Shetty-Wallach Livio kam im Frühling 2012 ins ausbildungszentrum für menschen und pferde von Nadja Maurer und Lukas Graf. Er hat eine sehr bewegte Vorgeschichte. Gemäss Pass ist er 19 Jahre alt, wir vermuten aber, dass er bereits 25 oder noch älter ist. Es ist möglich, dass sein Alter für einen Verkauf „geschönt“ wurde.

Nadja erzählt:

Der erste Besitzer, von dem wir wissen, hat Livio wie einen Hund gehalten. Livio war immer allein (ohne andere Pferde), hörte auf seinen Namen, konnte per Pfeifen hergerufen werden – aber er kannte nichts, was ein Pferd kennen müsste.

Danach wurde er von einer Frau als Beistellpony zu ihrem Pferd und als „Spielgefährte“ für ihre Kinder gekauft. Aus schwerwiegenden familiären und gesundheitlichen Gründen musste sie sich schliesslich von den beiden Pferden trennen: so kam Livio mit der Stute Elida zu uns. Elida wurde von ihrer Reitbeteiligung übernommen, während wir die Verantwortung für Livio übernahmen: es wurde nämlich schnell klar, dass er grosse gesundheitliche Probleme hatte.

Als er hier ankam ging er lahm, er war fett und hatte viel zuviel Fell. Schnell erhärtete sich mein Verdacht, dass es sich nicht bloss um eine „simple“ Hufrehe handelte, sondern dass er am Cushing-Syndrom leidet. Wir behandelten ihn mit gutem Erfolg: schon nach zwei Monaten waren die Hufe viel besser, er nahm gut ab, und sein Fell haben wir tüchtig ausgedünnt.

Im Frühjahr 2014 ging Elida in einen anderen Stall. Und da Livio extrem an ihr hing, liessen wir ihn mitgehen. Leider hatte er im Herbst einen schlimmen Rehe-Schub, so dass die beiden wieder zu uns zurück kehrten. Diesmal dauerte es ein halbes Jahr, bis er wieder gut laufen konnte.

Im Dezember 2015 ist nun Elida erneut bei uns ausgezogen, Livio aber bleibt da. Wir haben ihn im Vorfeld bestmöglichst auf diesen Schritt vorbereitet. Doch niemand wusste, wie er das verkraften würde.

Am Tag des Umzugs habe ich ihn begleitet, und wurde dabei richtig von der Trauer überwältigt. Da ist etwas ganz Wunderbares passiert: Livio verliess die Herde, kam zu mir, und leckte mir die Tränen vom Gesicht. Danach blieb er längere Zeit bei mir und suchte meine Nähe – so dass eher er mich als ich ihn tröstete. Es war ein sehr bewegender Moment für mich.

In der ersten Zeit nach Elidas Weggang suchte Livio vor allem Kontakt zu den Wallachen in der Herde. Er spielte und machte Fellpflege. Einmal brach er sogar aus und suchte die Nähe zu dem in einer separaten Gruppe untergebrachten Feliz, obwohl dieser das zuerst gar nicht schätzte.  Und dann – für uns erst gar nicht so klar wahrnehmbar – war er zunehmend an der Seite unserer Freiberger Stute Diana anzutreffen. So hat sie nun Elidas „Schatten“ geerbt. Und wir alle sind erfreut und voller Hoffnung, dass Livio trotz aller Schicksalsschläge sich einfach nicht unterkriegen lässt, sondern das Beste aus seiner Situation macht.

Im Blog auf der Startseite kann nachgelesen werden, wie Livio seine Zeit im  ausbildungszentrum für menschen und pferde verbracht hat, und wie er am 23. Dezember 2018 schliesslich auf die letzte Reise gegangen ist.

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